Transformation der Bildung. Neue Bildungsräume: Online-Community

„Wenn wir es nicht vorleben, werden es jene, von denen wir es fordern, auch nicht tun“. Dieser Satz fiel an einem Thementisch auf dem Fachforum Bildung des DOSB vergangenes Wochenende. Fokusthema des Fachforums war die „digitale Transformation“. An besagtem Tisch ging es um die Frage, wie es die Bildungsverantwortlichen in ganz Deutschland schaffen können, Bildungsmaterialien und andere Lernressourcen miteinander zu teilen. Ein wichtiges Thema, das auf jeden Fall mehr Raum als nur einen Blogbeitrag benötigt und zu dem daher in den kommenden Wochen ein ergänzender Beitrag kommen wird.

Zurück zu dem Satz und dem Kontext, in dem er in die Diskussion an unserem Tisch eingebracht wurde: Es ging um das Teilen von Lerninhalten. Viele Sportorganisationen haben in den vergangenen Jahren damit begonnen, ihre Bildungsangebote auf Blended-Learning-Kurse oder rein virtuelle Phasen umzustellen. In vielen Organisationen werden gleiche oder ähnliche Themen in den Ausbildungslehrgängen behandelt, was die Idee nahelegt, das Rad nicht jedes Mal neu zu erfinden, sondern Ressourcen gemeinsam zu nutzen. In der Diskussion im Fachforum wurde schnell deutlich, dass es hier – die technischen Herausforderungen einmal außen vorgelassen – viele Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf das Teilen von Informationen und Ressourcen gibt, obwohl sich die Mitglieder dieser Gruppe eigentlich gut kennen.

Interessanterweise nehmen die Themen „Austausch“ zwischen den Lernenden in Online-Umgebungen oder auf Plattformen eine zentrale Rolle in vielen aktuell diskutierten Ausbildungskonzepten ein. Personen, die sich nicht oder kaum kennen, sollen sich in digitalen Räumen treffen, angeleitet von Aufgaben z.B. ihre eigenen Erfahrungen darlegen, Vorwissen mit neuen Inputs verknüpfen und ihre Standpunkte in Diskussionen vertreten. Der Austausch soll aktiv gefördert werden, denn das sehen moderne Kursdesigns so vor. Die Teilnehmenden gewähren einander und den Ausbildenden also tiefe Einblicke in ihre eigene „Denkwelt“. Für den Lernprozess ist das wünschenswert, denn so können die Lehrenden optimal auf die individuellen Bedürfnisse eingehen!

 

Vorleben statt Vortragen

Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Tief in uns stecken die Erfahrungsmuster aus Schule, Ausbildung oder Studium. Das klassische Bild vom Lehrer, der mehr weiß als man selbst, begleitet uns nach wie vor. Nun werden wir damit konfrontiert, dass es neben Plätzen, Hallen und Seminarräumen auch „Onlineräume“ gibt, in denen man sich geistig bewegen soll. Und damit wären wir beim Dilemma, mit dem viele Organisationen heute noch zu kämpfen haben: Referierende zu finden, die sich auf die neue Bildungsreise (auch ihre eigene!) einlassen wollen. Denn selbstverständlich betreffen die Themen Medienkompetenzen, Online-Coaching und neue Kommunikationsformen nicht nur die Lernenden, sondern auch die Lehrenden! Wenn nun aber genau diese Personen die neuen Formate generell ablehnen bzw. nicht hinter der Idee der neuen Konzepte stehen, wird es die sogenannte digitale Transformation sehr schwer haben.

Digitale Transformation bedeutet vor allem einen Kulturwandel zu durchlaufen. Wir alle befinden uns auf dieser teils ungewissen Reise. Die digitale Transformation erlaubt mehr Flexibilität, mehr Individualität, mehr Vernetzung und mehr Koordination sowie mehr Nachhaltigkeit. Sie lässt zu, dass wir nicht alles wissen müssen (kein Wikipedia!), sondern fordert eine Fähigkeit der Informationssuche und dynamischen Zusammenarbeit in Teams. Digitale Transformation ist im Kern eine didaktische, edukative Herausforderung!

Verständlicher Weise herrscht Unsicherheit unter den Referierenden. Man begibt sich auf neues Terrain und gerade für jene, die ehrenamtlich tätig sind, ist es nicht mit unerheblichem Aufwand verbunden, sich in diese neuen Strukturen und Konzepte einzuarbeiten. Der Umgang mit neuen Technologien und das klassische Bild des Lehrers als „Wissensexperte“ bringt viele zum Schwitzen und setzt sie unter Druck. Unsicherheit und Druck sind keine guten Wegbeleiter in die Zukunft.

Aber das muss nicht so sein! Die digitale Transformation ist auch eine Chance, einen neuen Umgang mit sogenannten Fehlern zu erproben. Was sind Fehler? Ein Definitionsvorschlag: „Ein noch nicht geglückter Versuch, der uns aber unserm Ziel näherbringt, uns Mut macht und Orientierungswissen schafft. „Digitalisierung“ bedeutet nicht, blind digitale Technologien um der Digitalisierung Willen einzusetzen, sondern um Abläufe, Ideen und Werte besser verwirklichen zu können.  

Es ist Aufgabe der Bildungsverantwortlichen in den Organisationen, diesen Neuheiten aktiv vorzuleben und die Referierenden behutsam auf die Reise mitzunehmen. Das Vorleben dieses Kulturwandels fordert aus meiner Sicht folgende Werte ein:

 

  • Offenheit gegenüber dem Neuen
  • Vertrauensvorschuss im Team
  • Unwissenheit zulassen
  • Fehlertoleranz oder besser: Fehlerneugier!
  • Teilen wollen

„Wenn wir es nicht vorleben, werden es jene, von denen wir es fordern, auch nicht tun“. Es ist unsere Aufgabe als Bildungsverantwortliche und als Organisationen, die Bildungsinnovationen begleiten, jene Menschen, die den Kulturwandel vorleben sollen, dabei zu unterstützen. Sei es mit Schulungen im Umgang mit entsprechenden Medien, der Bereitstellung von Austauschräumen oder der Unterstützung und Reflexion bei Unsicherheiten.

Kurz: Die digitale Transformation im Sinne eines Kulturwandels gelingt nur miteinander nicht gegeneinander. 

 

Rebecca Gebler-Branch

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Lisa Welde

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