DFB-Auslandsexperte im Interview: Wie kann man sich die neue “digitale Bildung” genau vorstellen?

Internationale Entwicklungshilfe mit und durch Sport gehört seit über 30 Jahren zum festen Bestandteil des Portfolios des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). “Botschafter in kurzen Hosen” werden diese erfahrenen Personen genannt. Vornehmlich im Auftrag des Fußballs, bereisen sie ferne Länder, um dort Trainer oder ganze Mannschaften in Ihrer Arbeit zu unterstützen und ihnen bei der Weiterentwicklung unter die Arme zu greifen. Sascha Bauer ist einer dieser wichtigen Botschafter. Als DFB-Auslandsexperte, der mit seinem Team aus dem Sektorvorhaben “Sport für Entwicklung” der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) tolle Arbeit leistet, bildet er im Auftrag des BMZ in Lang- und Kurzzeitprojekten weltweit Menschen zu Trainern aus.

Kindern über das Fußballspielen soziale Wert zu vermitteln, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und bei ihnen wichtige Kompetenzen für das Leben zu entwickeln, darum geht es in dem Langzeitprojekt, in dem er seit 2013 gemeinsam mit weiteren Partnern (NGOs etc.) in Brasilien arbeitet. Um dieses Ziel zu erreichen, organisierte sein Team in den vergangenen Jahren immer wieder gezielt Traineraus- und Weiterbildungen, die nicht nur praktisches Fußballwissen und -Können, sondern vor allem auch sozialpädagogische Elemente wie Persönlichkeitsentwicklung oder Konfliktmanagement vermittelten. Dieses Programm soll nun auch eigenständig durch die brasilianischen Trainer weitergeführt werden. Dafür erhielten im Mai 2017 eine gezielte Auswahl an Trainern die Möglichkeit einen Lehrgang zum Ausbilder zu absolvieren. Erstmals in diesem Projekt wurde ein Lehrgang durch den Einsatz des edubreak®SPORTCAMPUS, als virtuelle Erweiterung der Sportplätze und Seminarräume, flankiert, was einem Blended Learning-Format entspricht. Damit hat Sascha Bauer weltweit den ersten Blended Learning-Lehrgang im Fußball mit Einsatz von Social Video Learning durchgeführt.  

Im Anschluss an den Lehrgang haben wir Sascha getroffen und mit Ihm über seine jüngsten Erfahrungen und Eindrücke aus dem Programm gesprochen.

 

Redaktion: Sascha du arbeitest jetzt schon fast vier Jahre an dem Projekt in Brasilien. War die Vorbereitung auf diesen Einsatz gleich den Vorangegangenen?

Sascha: Es ist immer wieder aufregend und intensiv, aber dieses Mal war die Vorfreude schon besonders groß die Trainer, die ja aus den verschiedenen Teilen Brasiliens kamen wieder zu sehen und dann, ja das kann man sagen, den nächsten großen Schritt zu gehen.

 

Redaktion: Das musst du näher beschreiben, was bedeutet der nächste große Schritt?

Sascha: Insgesamt sind in Brasilien in den letzten Jahren mehr als 500 FußballtrainerInnen mit der Methode „Treino Social“ – Lernen auf dem Platz, gewinnen im Leben – geschult worden. Mit ihrer Arbeit an Schulen, in Vereinen, Fußballschulen und Nicht-Regierungsorganisationen erreichen die Lehrer, Pädagogen, Sozialarbeiter und klassischen Fußballtrainer sehr viele Kinder. Als nächsten großen Schritt, haben wir nun den besten 20 TrainerInnen dieser vergangenen Kurse ermöglicht, an einer umfassenden Ausbilderschulung teilzunehmen damit in Zukunft noch mehr Kinder und Jugendliche von diesem Programm profitieren können.

 

Redaktion: Kannst du uns mehr zum Inhalt dieses Kurs erzählen?

Sascha: Über fünf Tage hinweg haben sich die Teilnehmer mit verschiedenen Präsentations- und Moderationstechniken beschäftigt, ausführlich über Lerntheorien diskutiert und selbst viele Inhalte der Trainerkurse präsentiert. Natürlich waren wir auch auf dem Platz und haben praktische Übungen gemacht.

 

Redaktion: Ihr habt diesen Kurs mit dem edubreak®SPORTCAMPUS virtuell erweitert. Warum?

Sascha: Für die Entscheidung hin zum Einsatz der Online-Lernumgebung gab es zwei zentrale Gründe:

  1. Zum einen wollten wir für die TrainerInnen einen Ort für gezielte Reflexionsprozesse der eigenen Performance schaffen und zwar nach der Logik von “Treino Social” also mit Social Video Learning für den gemeinsame Austausch der Reflexionen!
  2. Zum anderen ihnen eine Lösung für nachhaltiges Wissensmanagement und eine Möglichkeit für Betreuung an die Hand geben, auch wenn wir selbst nicht mehr vor Ort sind.

Uns war es super wichtig, diesen Menschen, die sich so unglaublich engagieren in Ihrer Tätigkeit als TrainerIn die Möglichkeit zu bieten möglichst lang von den Inhalten dieser Kurse zu profitieren. Und dafür ist natürlich die Dokumentation der Inhalte eine ganz zentrale Ressource. Während der Präsentationen haben wir die Teilnehmenden immer gefilmt. Es war spannend zu beobachten, dass die TrainerInnen keinerlei Nervosität gezeigt haben und man merkte, dass viele bereits über Erfahrung in der Kursleitung verfügen und eine natürliche brasilianische Lockerheit mitbringen. Die Aufnahmen der Präsentationen haben wir im Anschluss an den Präsenzteil des Kurses in den SportCampus eingestellt, um gezielt an verbesserungswürdigen Details der jeweiligen Performances zu arbeiten und individuelle Reflexionsprozesse anzustoßen.

 

Redaktion: Wie sieht so ein Arbeiten an der eigenen Performance konkret aus?

Sascha: Wir haben den Teilnehmenden zunächst die Möglichkeit gegeben sich selbst zu reflektieren. Diese Reflektion mussten Sie mit Hilfe von Videokommentaren sichtbar machen. Im Anschluss daran, haben wir auf diese Kommentare Feedback gegeben. Das waren unter anderem Tipps, wie es besser oder anders geht aber auch Lösungen oder Hinweise auf mögliche Herausforderungen. Auf diese Kommentare konnten sie selbst aber auch die anderen KursteilnehmerInnen erneut Rückfragen stellen. Die Methode Social Video Learning erschien uns hier sehr sinnvoll, da wir so ganz gezielt auch über die unmittelbare Darbietung hinaus, wertvolle Rückmeldungen geben konnten. Ein weiteres Ergebnis war, dass uns während der Veranstaltung selbst wesentlich mehr Zeit zum Üben zur Verfügung stand. Die Videos stehen den Teilnehmenden ja auch weit über den eigentlichen Kurs zur Verfügung. Was sich durch die bereits angesprochene Dokumentation entwickelt hat, ist eine richtige Videobibliothek, von der die Teilnehmenden noch lange profitieren werden.

 

Redaktion: Du sprichst es schon an - nach dem Kurs. Wie ist die aktuelle Situation? Ist eure Idee aufgegangen bzw. habt Ihr eure Ziele, die Ihr insbesondere auch durch den Einsatz neuer Technologien und didaktischer Szenarien verfolgt habt, erreicht?

Sascha: Gerade am letzten Tag wird immer deutlich welche immens wichtige Stellung der Sport im Leben dieser Menschen einnimmt. Gerade bei den Verabschiedungsrunden, werden Herzen ausgeschüttet und persönliche Geschichten erzählt. Das ist extrem emotional und zeigt auch mit welcher Leidenschaft und welchem Engagement diese Menschen hier dabei waren. Diese Spannung gilt es in die Zukunft zu tragen. Unter anderem ist der Erfolg, was die Verbreitung der Methode in Brasilien betrifft, davon abhängig mit wie viel Leidenschaft alle dabei sind. Abgesehen davon, gibt es natürlich offene Fragen wie: Können die bis Jahresende 2017 geplanten Kurse, insgesamt 16, wie gewünscht realisiert werden? Kann das Programm in dieser Form auch in den ländlichen Gegenden umgesetzt werden? Wie nehmen die Teilnehmenden die Idee der Erweiterung auf Online-Medien und dem Lernen im edubreak®SPORTCAMPUS an? Haben die Trainer die Möglichkeiten erkannt und können sie in den nächsten Wochen auch genug Zeit aufbringen, um davon zu profitieren? Es wartet eine extrem spannende Zukunft auf uns.

 

Redaktion: Das sehen wir ähnlich. Wir freuen uns schon darauf, dich wieder zu treffen und dann von weiteren aufregenden Schritten in diesem Projekt berichten zu können - Danke Sascha!

 

Weitere Infos

  • Der edubreak®SPORTCAMPUS wurde auch in Honduras bereits in einem Kurzzeitprojekt als begleitende Projekt- und Dokumentationsmanagement-Lösung eingesetzt. Hierzu fand auch ein Webinar mit Ralf Iwan statt.
  • Möchten Sie den SportCampus ebenfalls in Ihrem internationalen Projekt einsetzen? Kommen Sie gerne direkt auf uns zu!

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Stephan Ebisch

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